Boris berät: Wann haftet der Kunde bei Missbrauch des Online-Banking?

Online-Banking

Eine Vielzahl von Bankkunden wickelt heutzutage seine Bankgeschäfte online ab. Hierbei ist es vor allen Dingen die Online-Überweisung, die den Großteil der Nutzung des Online-Banking ausmacht. Mit der steigenden Verbreitung des Online-Banking nahmen auch die Missbrauchsfälle zu, sodass die Gerichte in vielfacher Hinsicht Entscheidungen zu treffen hatten, wer für eine missbräuchliche Überweisung haftet. Ebenso hat der Gesetzgeber reagiert und Rahmenregelungen für den Missbrauch beim Online-Banking aufgestellt. Im Gegensatz zu gefälschten Papier-Überweisungen ist die Rechtslage dabei etwas komplizierter.

Die Rechtslage ist bei Papier-Überweisungen relativ einfach. Hier trägt in der Regel die Bank das Risiko, dass die Papier-Überweisung gefälscht wurde. Wenn ein Dritter einen Überweisungsbeleg mit den Daten des Kontoinhabers ausfüllt und die Unterschrift fälscht, so liegt kein Auftrag des Kontoinhabers vor. Die Bank hat hier eine Schutzpflicht ihren Kunden gegenüber und ist entsprechend zum Schadensersatz verpflichtet, wenn eine Papier-Überweisung gefälscht worden ist. Letztlich muss die Bank dem Kunden gegenüber den Betrag, der von seinem Konto überwiesen wurde, gutschreiben. Dies galt auch für einen Fall, in dem der Täter eine Originalüberweisung aus dem Briefkasten der Bank entfernt und diese dann gefälscht hat. Bei Papier-Überweisungen kann man sich demnach relativ sicher sein, dass die Bank den entsprechenden Schaden ersetzen muss.

Die Haftung der Bank ist selbstverständlich ausgeschlossen, wenn jemand einen Überweisungsträger nur teilweise ausfüllt, mit seiner Unterschrift versieht und sodann einem Dritten übergibt mit der Weisung, diesen nur abredegemäß auszufüllen. Weicht der Dritte dann von der Vereinbarung ab, haftet die Bank für diesen Schaden nicht. Hier hat der Bankkunde das Schadensereignis grob fahrlässig selbst verursacht.

Eindeutige Rechtslage bei Papier-Überweisungen

Daneben setzen die Banken Prüfsoftware ein, die die vorab hinterlegte Unterschrift des Kunden mit den Unterschriften auf dem Überweisungsträger abgleicht. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass selbst eine für mich perfekte Täuschung der Unterschrift durch die Bank erkannt wurde und die entsprechende Überweisung nicht ausgeführt worden ist. Es ist ein Interesse der Banken, gefälschte Überweisungen erst gar nicht auszuführen, sodass sie lieber im Hintergrund aufwendige Prüfungen durchführen, um einen solchen Fall zu vermeiden.

Um einen Missbrauch von Papier-Überweisungen komplett auszuschließen, kann man bei den meisten Banken Papier-Überweisungen komplett sperren lassen. In diesem Fall wird jede Überweisung abgelehnt und ein Schaden kann auch hier erst gar nicht entstehen. Seit der Einführung des Online-Banking und der papierlosen Überweisung ist die Sach- und Rechtslage etwas komplizierter geworden. Für die Banken war klar, dass sie Sicherheitsmerkmale einführen muss, um zu vermeiden, dass Onlinesysteme missbräuchlich verwendet werden.

Online-Banking: Verschiedene Sicherheitssysteme sind im Einsatz

Neben einem klassischen Login, der aus einer Benutzerkennung und einem Passwort besteht, war es von Anfang an für Überweisungen notwendig, eine weitere Sicherheitsüberprüfung durchzuführen. Zu Beginn arbeiteten die Banken hier mit TAN-Listen, bei denen der Kunde eine beliebige TAN zur Autorisierung eines Überweisungsauftrages eingeben musste. Später wurden diese TAN-Listen durchnummeriert, sodass der Kunde eine spezielle TAN-Nummer eingeben musste. Diese Verfahren sind heutzutage weitestgehend abgeschafft und durch modernere Verfahren ersetz worden. Regelmäßig bieten die Banken drei Verfahren an.

Es gibt Banken, die einen TAN-Generator an ihre Kunden ausgeben, der nach Eingabe der letzten zehn Ziffern der IBAN eine entsprechende TAN berechnet. Bei dieser Berechnung wird aber nicht nur die IBAN herangezogen, sondern auch weitere Faktoren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Kunde mit seiner EC-Karte und einem Lesegerät einen Code auf dem Monitor erfasst, welcher dann zur Generierung einer TAN führt. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, dass die  Bank eine App anbietet, mit der die TAN generiert wird oder aber zum Beispiel eine SMS mit der jeweiligen TAN versendet. Diese Verfahren werden von den Banken als sehr sicher eingestuft mit der Folge, dass sie bei einer missbräuchlichen Überweisung zunächst einmal davon ausgehen, dass der Kunde in irgendeiner Form für den Missbrauch verantwortlich ist. Wenn der Kunde für den Missbrauch verantwortlich ist, ist die Bank von der Haftung befreit.

Die Fälle, in denen eine Haftung der Bank relativ einfach ausgeschlossen werden kann, betreffen Konstellationen, in denen der Kontoinhaber zum Beispiel die Zugangsdaten auf einen Zettel niederschreibt und diesen öffentlich sichtbar an seinem Computer liegen lässt in Kombination mit dem TAN-Generator. Wer Dritten freiwillig Zugang zu seinem Online-Banking gewährt, ist auch selbst verantwortlich, wenn diese Personen abweichende Überweisungen ausführen.

Wie vorsichtig muss der Kontoinhaber sein?

Problematischer sind die Fälle, bei denen Dritte versuchen die Sicherungsmechanisem der Bank auszuhebeln. Grundsätzlich gilt hier aber ein strenger Haftungsmaßstab. Wer im Internet Zugangsdaten und/oder generierte TAN-Nummern eingibt, ist hierfür selbst verantwortlich. Wer auf Phishing-E-Mails hereinfällt und seine Zugangsdaten bzw. TAN-Nummern preisgibt, ist ebenfalls für diese Schäden selbst verantwortlich. Auch wenn Dritte sich rechtswidrig Zugang zum Computer eines Nutzers verschaffen, kann eine Haftung des Bankkunden angenommen werden, wenn dieser allgemein bekannte Sicherungsmaßnahmen unterlässt.

Aufgrund der weitreichenden Berichterstattung gehen die Gerichte derzeit davon aus, dass es einem Computernutzer durchaus zumutbar ist, eine Antivirensoftware sowie eine Firewall zu nutzen. Weiterhin gehen die Gerichte davon aus, dass ein Bankkunde immer misstrauisch sein muss, wenn er aufgefordert wird, seine Zugangsdaten und/oder eine TAN-Nummer einzugeben oder eine solche zu generieren. Die Banken weisen nämlich regelmäßig auf den Webseiten des Online-Banking darauf hin, dass die Generierung von TAN-Nummern niemals von Bankmitarbeitern selbst verlangt wird. Die Generierung von TAN-Nummern ist immer nur im konkreten Einzelfall bei Durchführung einer Online-Banking-Aktion zu generieren und es sind auch nur die Daten zu nutzen, die man selbst zuvor eingegeben hat. Wenn ein Bankkunde nach Eingabe von Überweisungsdaten daher plötzlich andere Daten zur Generierung einer TAN in den TAN-Generator eingeben soll, so hat er misstrauisch zu sein und den Vorgang sicherheitshalber abzubrechen.

Problemfall: SMS-TAN

Gerade im Bereich des SMS-TAN-Verfahren ergibt sich aber eine Problematik, die durchaus die Frage aufwerfen kann, wer für den Missbrauch des SMS-TAN-Verfahren haftet. Gerade dabei kann es nämlich durchaus passieren, dass Betrüger eine Ersatz-SIM-Karte anfordern und diese Ersatz-SIM-Karte für den Erhalt von SMS aktivieren. Wenn die Betrüger sich in einem zweiten Schritt Zugang zum Online-Banking-System verschaffen, etwa durch eine Phishing-E-Mail, so stellt sich die Frage, wer nun für diesen Missbrauch zu haften hat.

Der Bundesgerichtshof hatte nun einen Fall zu entscheiden, bei dem der Kontoinhaber am Online-Banking teilnahm. Die Freigaben wurden durch das sogenannte SMS-TAN-Verfahren durchgeführt. Der Kontoinhaber erhielt aus nicht geklärten Umständen zwei Gutschriften auf seinem Geschäftskonto. Die Bank veranlasste entsprechende Stornierungen, welche aber aufgrund des Wochenendes erst am darauffolgenden Montag ausgeführt wurden. Zuvor wurde aber am Freitagabend unter Verwendung der zutreffenden Login-Daten und einer gültigen SMS-TAN eine Überweisung in Höhe von 235.000 Euro vom Konto des Kontoinhabers abgebucht. Die Bank führte zunächst die Überweisung aus und später die Stornierung, sodass ein entsprechender Sollbetrag auf dem Geschäftskonto des Kontoinhabers entstand. Diesen forderte die Bank vom Bankkunden ein. Dieser widersetzte sich und so kam es zum Rechtsstreit.

System praktisch unüberwindbar?

Der BGH hat hierzu festgestellt, dass bei einer missbräuchlichen Nutzung des Online-Banking kein Beweis des ersten Anscheins für ein grobfahrlässiges Verhalten des Kontoinhabers vorliegt. Dies ist insoweit wichtig, weil nach dem Gesetz der Kontoinhaber bei grob fahrlässigem Verhalten für einen Missbrauch haftet. Liegt dagegen einfache Fahrlässigkeit vor, haftet der Bankkunde nicht. Es obliegt zunächst der Bank, darzulegen, dass das Sicherungssystem zum Zeitpunkt der Vornahme der strittigen Überweisung im Allgemeinen praktisch unüberwindbar war, im konkreten Fall ordnungsgemäß angewendet worden ist und fehlerfrei funktioniert hat. Hierzu ist es notwendig, sich das konkrete Authentifizierungsverfahren anzuschauen und festzustellen, ob diese Voraussetzungen vorliegen.

Es ist daher von Seiten der Bank nicht möglich zu behaupten, dass die Nutzung der korrekten Logindaten und korrekten SMS-TAN automatisch dazu führt, dass der Kunde grob fahrlässig gehandelt haben muss. Der Kunde muss aber Einwendungen darlegen, die eine missbräuchliche Nutzung möglich erscheinen lassen, dass er nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Der BGH hat die Sache nun zurückverwiesen, da hierzu weitere Feststellungen notwendig sind. Aber es kann gut sein, dass gerade im Bereich des SMS-Tan-Verfahren trotz Nutzung der Zugangsdaten und der korrekten TAN bedingt durch die Möglichkeit, dass Dritte durch eine weitere SIM-Karte die SMS abfangen, keine Haftung des Bankkunden besteht.

In der wöchentlichen Kolumne Boris berät beantwortet euch Rechtsanwalt Boris Burow eure Fragen zum Thema Internet-, IT- und Social-Media-Recht. Fragen? Immer her damit!

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Safer Internet Day: So checkst du bei Facebook, Google und Co. die Sicherheit deines Kontos

Safer Internet Day

Der Safer Internet Day findet immer am zweiten Tag in der zweiten Woche im zweiten Monat des Jahres statt – 2016 also genau heute. Das Ziel: Die eigene Online-Identität mal wieder auf Sicherheit überprüfen. Ein paar Anlaufstellen und Tipps, wie das (nicht nur heute) gelingt.

Google-Account checken und Extra-GB sichern

Google ist ein besonders heikler Anlaufpunkt für die Sicherheit der eigenen Identität, da über das Google-Konto diverse Dienste zusammenlaufen: E-Mails, Drive, YouTube und Co. – um nur ein paar zu nennen. Google bietet daher einen Sicherheitscheck an, bei dem man in wenigen Schritten die wichtigsten Fragen auf Aktualität überprüfen kann, z.B. zugelassene Apps, Sicherheitsfragen oder aktive Geräte. Extra-Ansporn, das Google-Konto zu überprüfen: Für einen absolvierten Sicherheitscheck gibt es 2 GB Drive-Speicher kostenlos. Hier geht es zum Google-Sicherheitscheck.

Google Sicherheitscheck

Facebook: Mehrere Wege führen zum Ziel

Facebook macht es seinen Nutzern nicht so einfach wie Google und hat auch keine besonderen Bonbons als Belohnung am Start. Und doch sind die Einstellungen relativ einfach zu finden. Oben rechts auf den Pfeil klicken, dann auf Einstellungen und von dort aus auf die Punkte SicherheitPrivatsphäre und Apps klicken und die einzelnen Fragen im Sinne der Sicherheit beantworten und die richtigen Häkchen setzen.

Safer Internet Day Facebook Sicherheit und Privatsphäre

Twitter: Auf den Pfaden von Facebook

Bei Twitter funktioniert es im Grunde ganz ähnlich wie bei Facebook. Nach einem Klick auf das eigene Profilbild oben rechts kommt man über die Einstellungen auf die Punkte Sicherheit, Passwort und Apps. Unter Deine Twitter-Daten kann man sich zudem nach Eingabe seines Passworts ein paar gespeicherte Infos anschauen und die aktiven Geräte überprüfen.

Twitter Sicherheit Safer Internet Day

Generelle Tipps für sichere Zugänge

Fernab der großen Online-Dienste und sozialen Netzwerke, bei denen die oben gezeigten Schritte fast überall gleich funktionieren, ist es immer wichtig, seine Passwörter in unregelmäßigen Abständen zu ändern, um die größtmögliche Sicherheit für seine Accounts zu garantieren. Ein paar generelle Tipps für sichere Zugänge bei Online-Konten:

  • Passwörter unregelmäßig ändern
  • Nicht überall das selbe Passwort benutzen
  • Mindestens acht Zeichen beim Passwort verwenden
  • Möglichst Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen als Passwort mixen
  • Keine Namen oder Geburtsdaten verwenden
  • Wenn möglich, die 2-Faktor-Authentifizierung nutzen
  • Keine sensiblen Daten über eine unverschlüsselte TLS-Verbindung senden
  • Immer alles kritisch hinterfragen, etwa bei E-Mails der „Bank“ oder App-Zugriffen

5 Tipps gegen Tracking-Cookies

Wir haben uns ja bereits ausführlich mit der unterschätzten Gefahr im Browser, den Tracking-Cookies, beschäftigt. Hier ein kleiner Auszug daraus mit 5 Tipps gegen Browser-Cookies:

  1. Lösche in regelmäßigen Abständen deine Browser-Cookies. Dadurch entfernst du unter anderem auch angesammelte Tracking-Cookies und minimierst damit die Profilbildung. Idealerweise solltest du deine Cookies beim Beenden des Browsers löschen oder einmal in der Woche.
  2. Verwende Browsererweiterungen zum Schutz vor Tracking. Browsererweiterungen, wie Ghostery oder Privacy Badger helfen dir dabei Tracking auf Webseiten ausfindig zu machen und zu blocken. Auf BASIC thinking haben wir übrigens jegliche Werbenetzwerke oder Social-Media-Dienste längst verbannt.
  3. Surfe nach Möglichkeit im Inkognito-Modus. Im Inkognito-Modus verhindert der Browser das Setzen von Cookies. In vielen Fällen sind Werbenetzwerke gar nicht in der Lage, ihren Tracking-Cookie zu platzieren.
  4. Aktivierte in deinem Browser die Do-Not-Track-Funktion. Do-Not-Track soll Websiten mitteilen, dass du nicht verfolgt werden möchtest. Leider ist dieser Schutz nicht so wirksam, wie er sein sollte. Werbenetzwerke ignorieren diese Browserfunktion oftmals.
  5. Verwende ein VPN mit Tracking-Schutz. VPN-Lösungen, wie F-Secure Freedome oder CyberGhost VPN, stellen ihren Kunden neben der Anonymisierung der IP-Adresse auch einen Tracking-Schutz zur Verfügung.

Tracking Cookies Safer Internet Day

Safer Internet Day: Eine sinnvolle Idee

Der Safer Internet Day ist grundsätzlich eine ziemlich sinnvolle Idee, da er jährlich international an die wichtigen Themen Datensicherheit und Privatsphäre im Netz erinnert. Für den affinen Nutzer sind das alles absolute Basics, über die er sich vermutlich kaputt lacht, die enorme Anzahl an Sicherheitslücken bei vielen Konten, etwa durch lächerlich einfache Passwörter wie das berühmte „12345678“ machen die regelmäßige Aufmerksamkeit aber leider nötig. Generell gilt natürlich: Es sollte keinen festen Tag im Jahr brauchen, um seine Dienste auf Lücken zu checken. Mindestens am zweiten Tag in der zweiten Woche im zweiten Monat des Jahres aber sollte man es dann doch tun. In dem Sinne: Einen fröhlichen Safer Internet Day!

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DIY-Mentalität: Digital-Pfusch, nein danke! Ein Plädoyer für Profis in der Kreativbranche

Webdesigner

Kreative leiden seit Erfindung des Computers darunter: Schlichte Gemüter glauben, zu können, was Profis können, wenn sie nur das dazu nötige Programm (aka Tool, App) haben. Mein Schmerz als Mann des Wortes: Hast du Word und einen Schulabschluss, glaubst du, schreiben zu können. Kannst du aber nicht.

Bei Grafikern ist das ähnlich: Kaum haben irgendwelche IT-Frettchen oder Werweißwas-Assistenten Grafik-Programme auf der Platte oder online entdeckt, muss für Grafiker kein Geld mehr verplempert werden. Ihr Digital-Pfuscher müsst jetzt ganz tapfer sein: Genau so lesen sich eure Webseiten, genauso so gelingen eure Powerpoint-Orgien. So kommt ihr nie aus der Ursuppe des Mittelmaßes heraus. Ihr könnt nicht, was Profis können, bloß weil ihr unser Werkzeug kennt.

McGyver auf Ecstasy lebt im Reihenmittelhaus

Im Grunde ist dies eine digitale Verlängerung des DIY-Prinzips: Du kaufst den Baumarkt leer und fühlst dich wie McGyver auf Ecstasy. Bist du aber nicht. Du bist der selbe doppellinkshändische Held, der noch vor wenigen Minuten mit seinem Euro beim dritten Versuch den Einkaufswagen frei bekam, um in der ersten Kurve an der Hinterradlenkung zu scheitern.

Typen, die Pirellis auf ihren Passat Kombi aufziehen (lassen) und glauben, damit die gefühlte Rundenzeit zwischen Reihenmittelhaus und Bürobunker mit der Gelassenheit eines Sebastian Vettel zu pulversieren. Oder beim Möbeldiscounter kaufen, um sich platinblöd zu fühlen. Oder sonntags in eng anliegender Rennhose mit dem Edel-Laufschuh eines Kenianers (Körperfettanteil nicht messbar) stolz schwitzend in der Bäckerei-Schlange stehen.

Im Business seid ihr traurige Dilettanten. Wer käme auf die Idee, selbst mit einem Dremel den schmerzenden Zahn anzubohren und mit Fensterkitt zu verschließen, anstatt zum Zahnarzt zu gehen? Wer mag sich in der Bücherei das BGB ausleihen, um sich vor Gericht zu vertreten, wenn es um Kündigungsschutz, Unterhaltszahlungen oder Fahrverbote geht?

Keine Ahnung, kein Groove

Diese das-können-wir-schon-selbst-da-brauchen-wir-niemanden-bezahlen-Spezies erinnert mich an jene Grüppchen auf Hippie-Festivals, die im Gras sitzen und trommeln. Da möchte ich es halten wie einst der Mainzer Musiker Johannes Klein, der auf dem Open Ohr-Festival volltrunken auf diese lächerlichen Sitzkreise zuging, ihnen aus allernächster Nähe ein bierfahnenfieses „Es groovt nit!“ ins Gesicht brüllte und selig lächelnd weiter schwankte.

Klassische Sprüche dieser Spezies kennt jeder, der länger als drei Monate am Markt ist:

  • meine Tochter hat LK Kunst, die macht das
  • Text behalten wir, wir sind ja ganz die Alten
  • ich habe ein Logo auf dieser Plattform für 19 Euro bestellt
  • Wir brauchen kein Design, wir sind Ingenieure
  • Wir können alles selbst, wir sind Ingenieure
  • Die Azubine kennt sich mit Facebook aus, die macht das
  • Der Chef schreibt selbst (irgendwann)
  • Die Frau vom Chef hat Elternzeit

Profis: Jeder, was er am besten kann

Profis setzen Profis ein. Damit jeder das macht, was er am besten kann. Ich kann auch ein WordPress-Blog aufsetzen und Plugins installieren. Ich kann Grafiken bauen, Datenbanken anlegen und Backups planen. Aber ich will das nicht mehr machen. Denn ich weiß, dass es andere gibt, die das viel besser in weniger Zeit können.

Schauen wir uns die Alternativen an: Ich mache etwas selbst, das ich so lala kann. Das spart Geld, kostet Zeit und Nerven. Wenn es dumm läuft (und wann ist das nicht so?), kostet es mich viel Zeit und viel Nerven. Das macht mich unausstehlich im Prozess, unzufrieden mit dem Ergebnis und blockiert mich für das, worin ich besser bin.

Vergebe ich dagegen den Auftrag an einen kompetenten (wichtig!) Dienstleister, bekomme ich mein Wunschergebnis in kurzer Zeit. Dazu kommt mein Selbstverständnis, dass ich in der Zeit mehr verdiene als mein Helfer mich kostet.

Lieber Vertrauen oder Kompetenz?

Es gibt noch einen anderen Grund, warum Profis und solche, die dafür gehalten werden wollen, für ihre Kreativleistung auf Profis setzen müssen: Menschen urteilen schnell und unerbittlich. Eine wichtige Kulturtechnik, die uns ermöglicht, in einer komplizierten Welt Orientierung zu finden. Amy Cuddy, Sozialpsychologin an der Uni Harvard, gehört auf TED derzeit zu den populärsten Rednern. Und sie sagt, dass Menschen andere Menschen blitzschnell auf Basis von zwei Kriterien kategorisieren:

  1. Vertrauen: Kann ich diesem Menschen trauen?
  2. Kompetenz: Kann ich diesen Menschen respektieren?

Es geht also um Vertrauen und Kompetenz. Das ist wichtig für Unternehmen – schließlich machen Menschen mit Menschen Geschäfte. Laut Amy Cuddy glauben viele, Kompetenz sei der wichtigere Faktor und fokussieren deswegen darauf. Doch das stimmt nicht. Vertrauen ist wichtiger, weil ohne Vertrauen keine stabile Beziehung möglich ist.

Vertrauen, und hier schreibt ja ein Kommunikationsmensch, entsteht im professionellen Erstkontakt durch den Außenauftritt – und zwar in allen Details: Corporate Design, Corporate Language, Content, Social Media, Fotografie und der ganze Rest.

Also bitte: Wer möchte es dem Zufall, der eigenen Unzulänglichkeit oder dem Spardrang überlassen, wie er oder sie wahrgenommen wird? Was ist alle Kompetenz ohne Vertrauen wert? An dieser Stelle entscheidet sich, ob der Weg zum Erfolg führt oder in der Mittelmäßigkeit versandet. Anders gesagt: Ich kann es mir gar nicht leisten, alles selbst zu machen.

Der Autor: Guido Augustin ist Geschäftsführer Kommunikation bei forum! Für „Guidos Wochenpost“ schreibt er über tolle Texte, mehr Geschäft und ein schöneres Leben.

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Tagebuch einer digitalen Nomadin: Hotspots für digitale Nomaden: Sucre, die weiße Stadt

Sucre

Marinela Potor ist digitale Nomadin. Kein fester Wohnsitz, immer unterwegs, Leben auf Reisen. Für viele ein Traum, für andere ein Graus. Im Tagebuch einer digitalen Nomadin berichtet Marinela wöchentlich auf BASIC thinking von ihren Reisen, was es mit dem Leben aus dem Rucksack auf sich hat und warum es sich lohnen kann, auch mal über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Diesmal stellt sie euch einen Hotspot für digitale Nomaden vor, der stark im Kommen ist: Sucre, Bolivien.

Liebes Tagebuch,

Oft frage ich mich, was ist wohl der beste Ort der Welt für digitale Nomaden? Ich glaube, dass es darauf nicht eine Antwort gibt, sondern wahrscheinlich Tausende. Jeder digitale Nomade hat sicher mehr als einen Ort, an den er immer wieder zurückkehrt. Den perfekten Standort für digitale Nomaden gibt es einfach nicht. Barcelona hat Flair und einen tollen Strand, Berlin eine hippe Szene, Buenos Aires bietet Kultur pur und auf Bali kann man am Strand entspannen.

Das Beste an all dieser Vielfalt: als digitaler Nomade kann man an all diese Orte reisen und sie für sich entdecken. Es gibt natürlich einige Faktoren, die fast allen digitalen Nomaden wichtig sind: gute Internetanbindung, ein innovatives Umfeld und ein gutes Verhältnis zwischen angenehmem Lebensstandard und niedrigen Lebenshaltungskosten. Alles andere, von der perfekten Welle bis zur Stadt mit den schönsten Mädchen, hängt von individuellen Vorlieben und Interessen ab.

Gemütliches Flair, Pudezucker-Häuser, spannende Menschen

Deswegen möchte ich euch auch nicht eine Liste der „besten Hotspots für digitale Nomaden” liefern, sondern euch nach und nach Orte vorstellen, die mich auf meinen Reisen verzaubert haben und die ich ganz persönlich anderen digitalen Nomaden empfehlen kann. Den Anfang macht Sucre in Bolivien. Sucre war einst die Hauptstadt von Bolivien und das spürt man auch heute noch an jeder Ecke. Auch wenn Sucre und La Paz sich offiziell den Hauptstadt-Posten teilen, wird La Paz von den meisten als die Kapitale des Landes gesehen. Das zeigt sich bereits in der Atmosphäre: Während La Paz laut, turbulent und stressig ist, kommt Sucre eher gemütlich und entspannt daher. Sucre ist zwar keine Kleinstadt, mit ca. 250.000 Einwohnern geht es hier aber deutlich relaxter zu als in La Paz, einer Stadt mit über 740.000 Bewohnern. Mit vielen bunten Cafés, kulturellen Veranstaltungen und einem durchgehend angenehmen Klima bietet Sucre eine ideale Mischung zwischen Gemütlichkeit und Lebendigkeit.

Ich war 2011 das erste Mal in Sucre und dann erneut in 2012. Ein französisches Ehepaar hatte mir von der Stadt vorgeschwärmt: vom guten Klima, von der kolonialen Architektur, von der angenehmen Stimmung in der Stadt. Ich hatte damals bereits angefangen, sporadisch als digitale Nomadin zu arbeiten und beschloss, mir die Stadt einen Monat lang anzuschauen. Das erste was mir auffiel: Sucre ist eine wunderschöne Stadt (zumindest die koloniale Altstadt). Das ist für Bolivien eher eine Seltenheit, wo oft das Geld fehlt, in Infrastruktur, geschweige denn Ambiente oder Dekor zu investieren. Doch Sucre macht ihrem Namen alle Ehre. Sucre bedeutet „Zucker“ auf französisch und beschreibt die weiß getünchten Kolonialgebäude, die wirklich wie mit Puderzucker übergossen wirken.

Sprache lernen? In Sucre kein Problem

Ich habe es nie geschafft, mich in den engen, verschlungenen Gassen so ganz zurechtzufinden und selbst nach einem Monat verlief ich mich noch im Zentrum. Ich glaube, ich habe mich auch nie so wirklich bemüht, mich zu orientieren, weil ich so jedes Mal ganz überraschend vor einem neuen kleinen Naturladen landete oder mich plötzlich im kühlen Garten eines Cafés fand. Einheimische, aber auch viele Expats, die es seit Jahren in die Zuckerstadt zieht, bemühen sich redlich darum, das malerische Ansehen von Sucre zu erhalten.

Das schöne Ambiente zieht nämlich nicht nur Touristen an, sondern auch viele Auswanderer und digitale Nomaden, die die Stadt mit neuen Ideen bereichern. So gibt es in Sucre einige internationale Restaurants, alternative Filmabende, Tanzschulen und Sprachaustausche. Es fällt so nicht schwer, andere Reisende oder digitale Nomaden kennen zu lernen, doch auch viele Bolivianer mischen sich begeistert in die kulturelle Szene, sodass man oft in kunterbunt gemischter Runde sitzt. So hat die Stadt auf mich nie zu touristisch gewirkt, aber immer offen und einladend für Neuankömmlinge. Wer  Spanisch (oder auch Quechua) lernen möchte, wird hier darüber hinaus auch an jeder Ecke eine gute Sprachschule finden. Auch die Gegend um Sucre herum bietet viele interessante Ausflugsziele, wie den sonntäglichen Handwerkermarkt in Tarabuco sowie die Minenstadt Potosí oder auch die unglaublich beeindruckende Salzwüste von Uyuni.

Sucre macht es digitalen Nomaden sehr leicht

Sucre hat aber neben seiner einladenden Atmosphäre auch noch andere Aspekte, die die Stadt interessant für digitale Nomaden machen. Dazu gehört zum Beispiel der gute Transport und die niedrigen Lebenshaltungskosten. In der Stadtmitte kann man alles problemlos zu Fuß erreichen. Wer etwas weiter außerhalb wohnt, kommt mit den örtlichen Mini-Bussen, die an jeder Ecke halten, sicher und bequem fast überall hin. Eine Fahrt kostete 2012 umgerechnet etwa 10 Cent. Taxis sind ebenfalls sehr günstig. Zu meiner WG, die etwas weiter vom Zentrum gelegen war, habe ich umgerechnet 50 Cent bezahlt.

Nicht nur was den Transport angeht, auch wenn es um das Essen, Unterkünfte oder allgemeine Lebenshaltungskosten geht, ist Sucre wirklich spottbillig aus deutscher Sicht. Wer sein Gehalt in Euro oder Dollar verdient, kann hier entspannt leben. Ein Pärchen beispielsweise braucht schätzungsweise gut 700 Euro pro Monat.

Auch das Wetter macht Sucre zu einem einladenden Ort für digitale Nomaden. Dazu muss man sagen, dass Sucre eine Regenzeit (Oktober bis März) sowie eine Trockenzeit (April bis September) hat. Ich war in beiden Saisons in der Stadt und habe beides sehr genossen. Die Regenzeit brachte immer wieder erfrischende, kurze Schauer – die sich manchmal zu recht spektakulären Stürmen entwickeln konnten. Das war aber meist sehr kurzlebig und eine halbe Stunde nach dem Sturm schien schon wieder die Sonne. Kalt war es aber eigentlich nie. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 18 und 21 Grad, die auch das ganze Jahr über konstant bleiben. Sucre liegt dabei relativ hoch, auf einer Höhe von 2800 Metern, wodurch die Sonne aber oft viel stärker wirkt als die Temperaturen vermuten lassen. Gerade die Höhe macht dem ein oder anderen anfangs zu schaffen, aber man gewöhnt sich schnell daran und wer Berge mag, wird Sucre lieben.

Internet? Es wird!

Die relativ unstabile Internetanbindung in Bolivien war fast der Grund, warum ich Sucre gar nicht erst als Hotspot für digitale Nomaden erwähnt hätte. Um die Dinge beim Namen zu nennen: Das Internet in Bolivien ist einfach nicht vergleichbar mit dem High-Speed-Internet in Europa oder den USA. Trotzdem ist Sucre eine unglaublich WLAN-freundliche Stadt. Fast jedes Café hat eine gute und stabile Internetverbindung, mit der man konstant Surfen kann. Auch mein WG-Modem hat damals gute Dietnste geleistet. Nur, und das ist das große Aber: Das Internet fällt in Bolivien immer wieder einfach mal ganz ohne Vorwarnung komplett aus. Mir ist es selbst in Sucre passiert, dass ein Anbieter einen Tag lang komplett kein Internet hatte. Digitale Nomadenfreunde aus Sucre haben mir auch bestätigt, dass sie mitunter große Probleme hatten, weil es immer wieder landesweite Internetausfälle gab.

Aber: In diesem Monat hat Boliviens Präsident Edu Morales seinen Entwicklungsplan für das Land vorgestellt, in dem auch das Internet massiv verbessert werden soll. Auch in Sucre sieht man bereits erste Zeichen: Mit der Installation eines Tupac Katari Satelliten und dem neuen 4G LTE Internet könnte die Stadt so bald zum neuen Mekka für digitale Nomaden werden.

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Das SEE-THINK-DO-MODELL in der Wettbewerbsanalyse anwenden

Wie man das SEE-THINK-DO-Modell auf die Wettbewerbsanalyse anwenden kann, zeige ich Euch heute an einem Beispiel. Als Beispiel habe ich (Alaaf! Passend zum Karneval in Kölle) das Produkt Reissdorf Kölsch und dessen Präsenz im Internet rausgesucht. 1.Mitbewerber definieren (zum Vergleichen) Zunächst sucht man sich Wettbewerber, die als positiver Vergleich dienen können. Es sollten also Unternehmen sein,... [weiter lesen »]

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Das SEE-THINK-DO-MODELL in der Wettbewerbsanalyse anwenden

Wie man das SEE-THINK-DO-Modell auf die Wettbewerbsanalyse anwenden kann, zeige ich Euch heute an einem Beispiel. Als Beispiel habe ich (Alaaf! Passend zum Karneval in Kölle) das Produkt Reissdorf Kölsch und dessen Präsenz im Internet rausgesucht. 1.Mitbewerber definieren (zum Vergleichen) Zunächst sucht man sich Wettbewerber, die als positiver Vergleich dienen können. Es sollten also Unternehmen sein,... [weiter lesen »]

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